Sonntagsgedanken - Wo wohnst du?

Wo wohnst du?


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Liebe Mitchrist*innen.

„Wo wohnst du“? So fragen zwei Jünger Jesu, nachdem  sie ihm eine Weile hinterhergelaufen waren. Jesus antwortet kurz: „Kommt und seht“! Interessant an dieser Antwort fand ich schon immer, dass Jesus nicht einfach die Adresse rausrückt, sondern einlädt, ihn und seine Lebensweise kennen zu lernen.

Dazu muss man im Blick haben, dass die Jünger ihre Frage stellen, nachdem Jesus wissen wollte, was sie suchen, was sie wollen. Wahrscheinlich wussten die Jünger das selbst nicht genau. Jesus ahnte es vermutlich und erkannte, dass das, wonach sie sich sehnen, mehr als eine Ortsangabe braucht.

Aus der Frage „Wo wohnst du“? ist heraus zu hören, dass sie dran interessiert sind, zu erfahren, wer Jesus wirklich ist. Wie lernen wir einen Menschen kennen? Ein guter Anfang ist, wenn wir zu ihm, zu ihr hingehen, wenn wir sein oder ihr „Heim“ erleben. In meiner Grundschulzeit bin ich gerne zu andern Mittschüler*innen gegangen, um dort zu Mittag zu essen und die Hausaufgaben gemeinsam zu machen. Oft war ich überrascht, wie anders sie leben. War mein zu Hause doch der Mittelpunkt und Maßstab für das Übliche.

„Das Übliche“ haben die Jünger bei Jesus sicherlich nicht gefunden.
Fasziniert waren sie gewiss auch nicht von der Raumausstattung oder dem Essen, welches es bestimmt gab. „Kommt und seht“ steht, meines Erachtens, nicht nur für die Aufforderung: Schaut, wie ich hause und ihr werdet mich erkennen, sondern sogar für das Angebot: Lebt mit mir eine Weile gemeinsam – auch wenn es nur einen halben Tag lang ist. Lasst euch mitnehmen in eine andere Art zu denken, zu reden, zu handeln, zu fühlen und zu urteilen. So werdet ihr nicht nur mich, sondern auch euch selbst besser kennen lernen.
Würde Jesus uns heute auf der Straße auffordern mit ihm nach Hause zu kommen, würden wir mitgehen? Würden wir riskieren nicht das zu sehen, was wir kennen und erwarten, sondern uns überraschen zu lassen?

Ja, wir laden Jesus gerne zu uns ein. Dort fühlen wir uns sicher und im Stillen erhoffen wir, dass er mein Leben, so, wie ich es mir eingerichtet habe, bestätigt und warm und hell macht. Will ich Jesus wahrhaftig kennen lernen, dann sollte ich bereit sein, alles einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vielleicht wird es ungemütlich… Ganz sicher aber würden wir vieles von uns selbst anders wahrnehmen und möglicherweise unseren Weg – mit Jesus – anders fortsetzen.

Wir können jeden Tag „Seiner“ Einladung folgen… 

 

 

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen und euch
Michaela Ziegler, Gemeindereferentin


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