Sonntagsgedanken 31. Januar

Sonntagsgedanken // 31. Januar

zum Evangelium nach Markus 1,21-28

Jesus beginnt sein öffentliches Wirken in der Synagoge. Von Jesus heißt es, „er lehrte wie einer, der Vollmacht hat‘ - nicht wie die anderen Schriftgelehrten, die gebildete, geschliffene Rhetoriker, gute Theologen und charismatische Redner gewesen sein mögen. Wir wissen nicht, was Jesus gelehrt hat, aber die Zuhörer horchen auf, so hat noch keiner die Schrift ausgelegt. Aus späteren Bibelstellen wissen wir, Jesus spricht ganz anders, er stellt nicht das Gesetz und die genaue Befolgung aller daraus resultierenden Regeln in den Mittelpunkt, sondern Gott.

Wenn er etwas sagt, berührt er die Menschen, er bringt Dinge auf den Punkt, benutzt griffige Beispiele, die alle verstehen, kann aber auch polarisieren und klare Kante zeigen. In seinen Worten scheint Gottes Wort durch.

Und plötzlich tritt da ein Störer auf, ein Mensch, wie es heißt, der vom unreinen Geist besessen war und ihn anpöbelt:

 „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“

Jesus braucht keine Sicherheitskräfte oder Synagogendiener, auch nicht seine gerade erst gewonnenen Jünger, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.

Er bezieht die Provokation nicht auf sich und stellt sich voller Selbstbewusstsein seinem Gegenspieler entgegen - nicht dem armen, gebeutelten Mann, sondern dem  Ungeist.

Jesus droht dem Dämon mit den Worten: „Schweig und verlass ihn!“

Die Menschen sind erschrocken.

Sie erleben hautnah mit: Jesus spricht nicht nur, er handelt auch mit göttlicher Vollmacht – die dämonischen Geister weichen vor ihm zurück. ‘Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.‘

Es wäre zu kurz gegriffen, Dämonen und böse Geister, von denen damals die Rede war, heute lediglich mit psychischen und anderen Erkrankungen, wie z.B. Epilepsie erklären zu wollen.

Böse Geister gab es nicht nur zurzeit Jesu, sie belästigen und quälen die Menschen auch hier und heute.

 

Wir erleben in der Welt Gewalt und Hass, Rassismus, Populismus und Egoismus, vieles ist nicht von gutem Geist.

Und dann gibt es dämonische Kräfte ja auch im Kleinformat, wo sie uns den Schlaf rauben, den letzten Nerv, die Geduld, wo es uns die Sprache verschlägt, schweigen lässt – oder wir etwas sagen, was wir später bereuen.

Angst und Furcht, Sorgen und Schmerzen, können uns packen und beuteln, uns im Nacken sitzen und umtreiben, oder lähmen, solange wir sie nicht Jemandem im Gespräch oder im Gebet anvertrauen können, der es gut mit uns meint.

Manchmal wünsche ich, da würde jemand sagen: „Schweig! Und verlass diesen Menschen“ - damit ich aufatmen kann, befreit und unverzagt, vertrauensvoll, weil Jesus stärker ist als alle Quälgeister.

Und Jesus mir und dir, uns allen sein erlösendes Wort sagt.  

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen und Euch

 

 

Gertrud Wittenstein, Gemeindereferentin


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Mk 1,21-28 Sonntagsgedanken 31.1.2021.pd
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Quelle: Pixabay.com