Sonntagsgedanken 07.02.2021

Sonntagsgedanken zum 07.02.2021

Markus 1,29-39

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„Wenn du deprimiert bist, ist es ungeheuer wichtig eine bestimmte Haltung einzunehmen. Das verkehrteste wäre aufrecht und mit erhobenem Kopf dazustehen, weil du dich dann sofort besser fühlst.“  erklärt Charlie Brown seiner Klassenkameradin Patty, als sie ihn fragt, warum er mit hängendem Kopf dasteht. „Wenn du also auch nur ein bisschen Vergnügen an deiner Niedergeschlagenheit haben willst musst du so dastehen“  und er lässt seinen Kopf wieder hängen. Damit endet der Comic. Wir wissen nicht was weiter passiert. Verschiedenes ist denkbar:

 

Beispielsweise könnte Patty Charlie Brown nach dem Grund seiner Niedergeschlagenheit fragen. Damit er darüber reden kann. Sie könnte ihm auch auf die Schulter klopfen und ihn auf eine Limonade an Lucys Limonadenstand einladen oder mit ihm zu Schröders neustem Klavierkonzert gehen. Damit würde sie ihn immerhin von seiner Niedergeschlagenheit ablenken. Möglich wäre auch, dass Patty sich als gute Freundin neben Charlie Brown stellt und auch eine kleine Weile den Kopf hängen lässt, einfach so um mit ihm zu fühlen und seinen Emotionen Raum zu geben.

 

Was aber wäre, wenn das alles nicht ginge? Wenn Lucys Limonadenstand geschlossen wäre und Schröder keine Konzerte geben könnte? Was, wenn Charlie Brown tagelang mit hängendem Kopf dastehen würde und Patty nicht vorbeikäme, weil sie in Quarantäne ist? Wir hätten großes Verständnis für Charlie Brown, und auch für die hängenden Köpfe von Patty, Lucy und Schröder. Solidarisch mit all den Peanuts würden auch unsere Köpfe bald hängen.

 

Der Evangelist Markus erzählt von vielen Heilungen. In dem Evangelium von diesem Sonntag heilt Jesus, die Schwiegermutter seines gerade eben neu gewonnen Freundes Petrus. Sie liegt mit hohem Fieber im Bett. Es folgen noch eine ganze Reihe Heilungen und sogar eine Totenerweckung. Das Neue Testament ist in griechischer Sprache geschrieben, das Wort das hier benutzt wird, egeino, lässt sich mit aufrichten, aufstehen oder aufwachen übersetzen, es bedeutet aber auch: lebendig werden, sich erheben. Jesus trifft viele Menschen mit hängenden Köpfen. Er fühlt mit ihnen und verhilft ihnen zu einer aufrechten Haltung.

 

Ja, die Begegnung mit Jesus kann die Menschen wieder aufrichten. Zumindest vor 2000 Jahren in den Dörfern und Städten rund um den See Genezareth. Aber was ist mit uns heute? Mit unseren hängenden Köpfen? Zurzeit haben wir uns in unseren alltäglichen „Patty-Begegnungen“ auch nicht mehr viel Neues zu erzählen: Es bleibt uns nichts anders übrig als den Kopf hängen zu lassen und von Limonadenständen und Klavierkonzerten träumen...

 

Was ich am Markusevangelium besonders mag, ist die Blindheit der Jünger. Achten Sie mal drauf. Das Markusevangelium ist wirklich nicht sehr lang, man kann es gut an einem Abend am Stück lesen. Bis zum Schluss merken seine engsten Freunde nicht wer Jesus wirklich ist. Sie erleben eine Heilung nach der anderen hautnah mit, werden Zeugen zahlreicher Wunder und verlangen doch ständig nach Zeichen. Man möchte sie schütteln, wenn man es liest! Mir ist das sympathisch, denn ich als Leserin habe den Durchblick und bin klar im Vorteil, weil schon weiß wer Jesus ist. Und doch macht es die ganze Geschichte bei genauerem Hinsehen so wahnsinnig menschlich und das macht das Evangelium so klug. Denn es erzählt die Geschichte der vielen alltäglichen „Patty-Begegnungen“, die sich im Nachhinein zu einer Jesus-Begegnung entpuppt haben:  Immer dann, wenn wir doch ein Stück aufgerichteter werden, neuen Lebensmut fassen, eine neue Perspektive erkenne. Immer dann wenn wir den Blick heben können und spüren: Ich lebe und es lohnt sich! Diese Begegnungen wünsche ich Euch und Ihnen!

 

 

Eure/ Ihre Judith Borg