Sonntagsgedanken 12. Sonntag

Sonntagsgedanken 12. Sonntag im Jahreskreis

PANIK UND ANGST

von Diana Shimoail


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Sonntagsgedanken 12 Sonntag im Jahreskre
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©Mark König, unsplash.de



Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

„Mayday, Mayday!", „SOS, wir kentern, bitten dringend um Verstärkung!"

Wer kennt diese Notrufe aus Filmen nicht, in denen ein Seeabenteuer in einem Seenotfall endet und ein Schiff zu kentern droht. Bei dem Begriff "Mayday" ist man sich mittlerweile sicher, dass es nichts mit dem englischen "Maitag" zu tun hat, sondern aus dem französischen zurückgeführt wird und etwa so viel wie bedeutet  "Kommt mir helfen!" Die Abkürzung SOS kommt aus der Schifffahrt. Auf den Weltmeeren lag früher ein Sprachgewirr vor. Dieses wurde durch das allgemein gültige Morse-Alphabet entflechtet. Als Notruf wurde die Buchstabenfolge SOS gesendet. Später interpretierte man die drei Buchstaben als Abkürzung für "Save our souls!"

Die Hilferufe in unserem heutigen Evangelium klingen ganz anders. Dort geht es auch stürmisch zu. Da wird von einer Panik gesprochen.

Die Jünger Jesu haben panische Angst, dass sie kentern werden. "Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?" sagen die Jünger zu ihm. Klingt ja beinahe wie ein Vorwurf. Und vielleicht ist es von der Bedeutung her eben ein „SOS“, ein „Rette unsere Seelen!“

Und eigentlich kann man die Jünger irgendwie verstehen, wenn sie Jesus vorwerfen, ihm sei ihr Leben egal. Denn: das Evangelium schildert auf der einen Seite die Panik der Jünger, auf der anderen eben eine scheinbar tiefenentspannte Haltung Jesu auf der stürmischen See. Er schläft, scheinbar ganz ruhig und friedlich, auf einem Kissen. Jesus spricht nur einen kurzen Satz: "Schweig, sei still!" um die Situation zu entschärfen.

Eine Frage, die ich mir immer stelle, wenn ich dieses Evangelium lese ist: wovor haben die Jünger genau Angst Um ihr eigenes Leben? Davor, dass ihre Existenz durch einen Sturm von jetzt auf gleich erloschen sein wird? Davor, dass ihre Gemeinschaft mit Jesus gleich enden wird? Oft denke ich: vielleicht haben Sie Angst davor, das schöne neue Leben, mit ihrem Freund und Lehrer Jesus unterwegs zu sein, gleich zu verlieren. Vielleicht spricht da die Sehnsucht nach diesem Leben mit Jesus aus ihnen?

Daraufhin wird Jesus doch ein wenig vorwurfsvoll "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?"

Und erneut geraten die Jünger in Panik. Sie munkeln nun untereinander, wer Jesus denn sei, dass er die See beruhigen kann.

Kennen Sie solche Situationen, wo Menschen völlig tiefenentspannt auf heikle und gefährliche Situationen reagieren, und Ihre eigene Panik noch größer wird, weil sie mit dieser tiefenentspannten Art in dem Moment einfach nichts anfangen können und dazu noch der Ärger über dieses scheinbar gleichgültige Verhalten kommt?

Ich persönlich bewundere ja Menschen, die so eine wirklich tiefenentspannte Haltung haben, wenn es mal richtig brenzlig wird und sie dennoch ganz gefasst bleiben können.

Aber manchmal, da ärgere ich mich. Aber nicht nur im zwischenmenschlichen Miteinander, sondern auch im Gebet zu Gott. Manchmal, wenn einem das Leben den Boden unter den Füßen wegzieht und man von innerer Unruhe heimgesucht wird, da frage ich mich im Gebet zu Gott manchmal: "Schläfst Du, sag mal, wo bist Du?" Man wird oftmals vorwurfsvoll, kann einfach nicht verstehen, wo Gott ist. Seine Abwesenheit, sein "Schlafen" ist unverständlich und kann einen schon wütend machen, ähnlich wie die Jünger auf dem Boot, das zu kentern droht. Ihre Panik vor dem Sturm wird durch den Ärger über das Nichts-Tun verstärkt.

Und Jesu Worte? Alles andere als ein Vorwurf an seine Jünger, sondern ein Bekräftigen ihres Glaubens, der schon in ihnen drin ist, aber durch Panik und Angst in den Hintergrund gerät. In den Momenten des Lebens, wo wir glauben zugrunde zu gehen, kann der Glaube wachsen. Übergänge im Leben kommen und gehen, wir brauchen aber keine Angst vor ihnen zu haben. Im Grunde wissen wir: wir stoßen schon an ein Ufer jenseits der Zone panischer Angst.

Die Furcht am Ende des Evangeliums? Nicht zu vergleichen mit der Angst zu kentern zu drohen und Seenot zu erleiden. Sie erkennen: es ist Gott, der in Christus wirkt.

Von einer Angst, die zu einer guten Furcht wird, einer Ehrfurcht vor Gott und dem Vertrauen, dass wir es wagen dürfen, uns zu neuen Ufern aufzumachen.

Und so wünsche ich uns allen für heikle Situationen viel Mut und Zuversicht, dass es sich oft lohnt, sich zu neuen Ufern zu wagen: neue Projekte, neue Ideen nicht nur in uns schlummern zu lassen, sondern ihnen entgegen zu segeln.

Einen wunderbar sonnigen Sonntag Ihnen und Ihren Lieben mit viel kühlen, schattigen Momenten.

Ihre und Eure Diana Shimoail