Sonntagsgedanken Zweiter Fastensonntag

Sonntagsgedanken zum Zweiten Fastensonntag

von Martin Weber


Hören Sie sich hier die Sonntagsgedanken zu dem Bild Marc Chagalls in unserem aktuellen Podcast an.

 

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Oder lassen Sie sie sich unter dieser Nummer am Telefon vorlesen.



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Gedanken zum Evangelium des 2. Fastensonntags 2021

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

1. den Blick fürs Wesentliche zu gewinnen - wir merken das gerade in den Zeiten der Corona-Pandemie - ist gar nicht so leicht. Man kann ihn nicht einfach „herstellen“. Wir benötigen dafür Ruhe und besonders eine innere Haltung.

„Disclosure“-Situation nennt das die moderne Philosophie: der Augenblick der Erschließung, das „Aha“-Erlebnis könnte man auch sagen.

Viele solcher „Aha“-Erlebnisse hatte der Maler Marc Chagall (1887-1985). Er berichtet in dem 1970 erschienen Büchlein „Ma vie“, mein Leben, davon.

Im Jahr 1948 malt Marc Chagall sein Bild „Der Baum des Lebens“. Darauf sieht man einen Mann am Boden liegen, der in der einen Hand eine Farbpalette, in der anderen einen Kerzenleuchter hält. Über ihm ein tanzendes Hochzeitspaar, eine Braut in weißem Kleid mit einem langen Schleier, der fast bis auf die Erde reicht.

Die ganze Szenerie ist wie hinein gemalt in einen Baum des Lebens, der von unten nach oben wächst. Weiter sieht man über einer Kirche einen Mann im Himmel Geige spielen. Himmlische Freuden, ein Himmel, der voller Geigen hängt.

Ich denke, Marc Chagall hat mit seinem Bild den Lebenstraum vieler Menschen auf die Leinwand gebracht: die Sehnsucht nach einer gelingenden Beziehung, die Sehnsucht, dass das Leben bunt ist, die Sehnsucht nach einer  Heiterkeit und Leichtigkeit, die die Last des Lebens zum Himmel empor trägt.

 

2. Ja, das Leben könnte doch so schön sein. Diesen Traum träumen auch die drei Jünger auf dem Berg Tabor im Markusevangelium. Sie erleben gute und gelungene Gespräche. Sogar die großen alttestamentlichen Propheten Elija und Mose kommen dazu und reden mit Jesus. Sie sehen ihren treuen Begleiter Jesus, den sie so oft nicht verstanden haben auf einmal in einem anderen Licht. Er hat eine ganz eigene Ausstrahlung auf sie und sie haben kurz Anteil an  den innersten Gedanken Jesu. Das alte deutsche Wort „Verklärung“ steht für dieses Geheimnis. Wie menschlich reagiert dann Petrus und wir können das gut verstehen: der Traum vom Himmel auf Erden soll Realität werden,  dieses Glück soll bleiben.

Wenn der Mensch so etwas erlebt, dann darf das nicht einfach vorübergehen, dann muss die Zeit stillstehen. Aber die Jünger werden schnell aus dieser besonderen Situation herausgerissen und merken, dass sie nicht auf dem Berg

bleiben können. Das wunderbare Bild des strahlenden Jesus verschwindet und sie müssen wieder in die Niederungen des Lebens hinabsteigen, ihr Alltag hat sie wieder.

 

3. Wir leben in einer Zeit, die oft von Äußerlichkeiten geprägt ist. Es lohnt der Blick hinter die Fassade. Unter dem Staub verbirgt sich ein goldener, vielleicht göttlicher Hintergrund und daraus erschließt sich Lebens- und Überlebenskraft. Vielleicht werden wir dann wie die Jünger gestärkt und können unseren Lebensweg weiter  frohgemut und hoffnungsvoll fortsetzen.

 

Ich wünsche Ihnen dazu Ausdauer und Kraft und einen gesegneten Sonntag.

Ihr Martin Weber.