Sonntaggedanken 5. Fastensonntag

Sonntagsgedanken zum 5. Fastensonntag

Das Weizenkorn muss sterben

von Michaela Ziegler


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Oder lassen Sie sie sich unter dieser Nummer am Telefon vorlesen.



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Quelle: Pixabay.de

 

Liebe Mitchrist*innen

„Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein…“ so beginnt ein ganz bekanntes Kirchenlied. Der Refrain fasst alles zusammen: „Geheimnis des Glaubens, im Tod ist das Leben.“

Wir sind in der 5. Fastenwoche und der Tag X kommt immer näher.

Jesus spürt, dass nun alles, was er verkündet hat, geprüft wird. Ist er selbst bereit für den letzten Schritt? Dieser Gedanke erschüttert ihn selbst zutiefst.

Man/frau kann die Sache auf zweierlei Art verstehen: Zum einen ist es eine Lebenserfahrung, dass wir täglich ein Stück „sterben“ müssen, um in einer (Liebes-)Gemeinschaft leben zu können. Jeder und jede muss auch verzichten können, Kompromisse eingehen, etwas von sich selbst aufgeben, damit der/die andere ebenso zu seinem/ihrem Recht kommt, damit Raum ist zur Entfaltung unser Mitmenschen. Wir tun dies selbstverständlich für unsere Kinder, für unsere Partner. Manchmal auch für eine Organisation, die Natur, für ein Land, für eine Idee oder Überzeugung.

Das ist eine kluge Lebensweisheit.

Das Andere ist aber, dass für einen Christen, für einen überhaupt spirituellen Menschen, die Wirklichkeit nicht im weltlich, irdischen, im sinnlich erfahrbaren begrenzt bleibt. Und damit die Angst vor dem Tod und das Festhalten am „Leib-Leben“ uns erstarren lässt.

Für mich sind die Worte Jesu im Evangelium, dass wir ´loslassen müssen, um zu bewahren´, die Quintessenz unseres Glaubens schlechthin. Was so widersprüchlich klingt ist die Wahrheit, die wir niemals verstehen, sondern nur erfahren können.

Dahinter steht die Überzeugung aller Mystiker, dass wir unser sogenanntes „Ego“ lassen müssen, um zu unserem eigentlichen Selbst zu kommen. Wir sind so viel mehr, als das, was wir sehen und fühlen, denken und tun.

Wir sind unsterblich! Aber das erkennen wir erst, wenn wir sterben! So einfach und so schwer…

Mich bewegt jeden Tag die Frage: „Wer bin ich, wenn alles andere weg ist?“ Damit beginne ich den Tag in der Meditation und damit beende ich den Tag vor dem Schlaf. Manchmal flößt mir dieser Gedanke Furcht ein. Ein anders mal fühlt es sich fast  befreiend an. Die Antwort auf diese Frage kann ich nicht fassen. Sie nähert sich und weht wieder davon…

Dennoch, ich liebe diese Frage, weil sie mir täglich hilft, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Sie hilft mir, meiner Existenzangst nicht zu viel Raum zu geben, sondern ganz und gar darauf zu vertrauen, dass ICH BIN und GOTT IST.

Ich wünsche ihnen ganz viel „Losslas-Mut“ …

Ihre Michaela Ziegler, Gemeindereferentin