Sonntagsgedanken Palmsonntag

Sonntagsgedanken zum Palmsonntag

Zwei Seiten einer Medaille…

von Diana Shimoail


06406-8009075

Oder lassen Sie sie sich unter dieser Nummer am Telefon vorlesen.



Download
Die Sonntagsgedanken zum Ausdrucken
Palmsonntag 2021 Sonntagsgedanke.pdf
Adobe Acrobat Dokument 446.4 KB
Download
Ein Gottesdienst für Zuhause
Palmsonntag zu Hause.pdf
Adobe Acrobat Dokument 187.5 KB


© Mario Dobelmann, unsplash.com

Liebe Mitchrist*innen,

heute darf ich mit Ihnen und Euch für den Palmsonntag ein paar Gedanken teilen.

An Palmsonntag beginnt das Zugehen auf Ostern. Ein zweites Ostern im Lockdown-Modus, ein zweites Ostern in der Pandemie – sicher haben die meisten von uns sich das vor einem Jahr völlig anders ausgemalt. Man hegte die Hoffnung, es könne besser werden. Von einem ganzen Jahr – da erwarten die meisten von uns, das da mehr passiert. Ich nehme mich hierbei auch nicht raus.

Nun sind wir in einer ähnlichen Situation wie vor einem Jahr und doch ist es anders. Hoffnungen wurden durch Maßnahmen wie Impfungen und Testmöglichkeiten zumindest etwas erfüllt und Sicherheit kann in kleinen, langsamen Schritten in unseren Alltag einkehren. Solange halten wir aus, halten uns an die gegebenen Maßnahmen und Vorschriften, um ein sicheres und gutes Miteinander zu gewähren und die Pandemie so gut es uns eben gelingt zu bekämpfen. Es ist trotz guten Willens, gegenseitiger Unterstützung und Solidarität eine schwierige Zeit und wer hat nicht solche Tage an denen sie oder er denkt: „Das Virus beherrscht meinen Alltag so sehr, es scheint hoffnungslos, man hält eigentlich nur noch aus.“

Dieses Aushalten einer Situation kannten die Menschen damals in Israel sehr gut. Sie hielten die Unterdrückung der römischen Fremdherrschaft aus, erhofften sich jeden Tag Rettung. Viele Propheten vorher und zurzeit Jesu sprachen davon. Sie sprachen von einem Retter, der den Menschen Hoffnung schenkt, Frieden stiftet und Enttäuschungen und Unruhen beseitigt. Dass dieser Retter auf einem Esel reitend nach Jerusalem kommt stand auch in den Weissagungen, etwa bei dem Propheten Sacharja im Alten Testament. So schlich sich Hoffnung bei den Menschen ein, als Jesus nach Jerusalem auf einem Esel reitend, einzog, sie feierten ihn, legten ihre Kleider aus und auch Zweige, sprachen „Hosanna“, was „Hilf doch“ bedeutet. Sie wünschen ihm und auch sich Segen und erhofften sich Freiheit von dem Joch der Unterdrückung. Aber sieht  ein Retter, der von einer unterdrückenden Herrschaft herausführen soll, wirklich so aus? Ohne Waffen, ohne ein edles Ross, ohne Leibgarde? Und auch noch jemand, der Arme, Verstoßene und Fischer als Freund*innen hat?  Gescheiterte Hoffnung wird spürbar unter den Menschen. Durch Karfreitag und Ostern wissen wir, dass es anders gekommen ist: Jesus ist am Kreuz gestorben. Er hat nicht den Erwartungen eines Retters entsprochen. Alles hat seine zwei Seiten, auch die Freude und der Jubel.

Jesus ging es, so glaube ich, um was anderes: ihm geht es um das füreinander Dasein, füreinander einstehen, nicht um Krieg, so dass die Fremdherrscher vertrieben werden. Ihm geht es um die Art von Freiheit, die Menschen wieder im Wesen ihres Ichs frei macht – nicht die politische Freiheit von der Macht der römischen Herrschaft, so wie die Menschen sich das damals erhofften. Um Toleranz und Akzeptanz untereinander. Und ihm geht es um das größte Geschenk, dass  uns durch den Karfreitag und seine Auferstehung gemacht wurde: Liebe. So eine große Liebe, die durch den Tod geht. So eine große Liebe, die den Tod besiegt und aus dem Tod heraus in das Leben führen kann.

Gemeinschaftsgeist, Toleranz, Akzeptanz, Liebe: alles brauchbare Ding, um auch unsere Situation heute erträglicher zu machen, um das Aus-halten erträglicher zu gestalten. Sie können uns vielleicht die gewisse Prise Gelassenheit geben, dieses Aus-halten eben gut auszuhalten.

Auch im Namen des Pastoralteams Ihnen und Euch ein gutes und vor allem gesundes Zugehen auf Ostern!

Ihre und Eure Diana Shimoail