Sonntagsgedanken 6. Sonntag Ostzerzeit

Sonntagsgedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit

Muttertag oder die mütterliche Seite Gottes

von Alexandra Mühl


06406-8009075

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Sonntagsgedanken - 6. Sonntag in der Ost
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©Ronja Goj, Pfarrbriefservice 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

                                                                             (Joh 15,9-17)

 

Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt. – Mit diesem Auftrag endet das heutige Evangelium, in dem es um die Liebe geht.

Dieser biblische Text passt auch gut zum Muttertag. Die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, ist etwas ganz besonderes. Nicht umsonst beschreiben wir die Liebe Gottes zu uns Menschen oft mit der Liebe eines Vaters zu seinen Kindern.

Der Muttertag, den wir heute feiern, ist eigentlich im liturgischen Kalender der Kirche nicht vorgesehen. Dennoch wird er in immer mehr Pfarreien auch im Gottesdienst gefeiert. Ich finde das gut so! Der Gottesdienst am Muttertag kann uns auch auf die mütterliche Seite Gottes hinweisen.

In der Bibel gibt es viele Stellen, welche Gott mit mütterlichen Zügen darstellen. So beschreibt der Prophet Hosea Gott in einem rührenden Bild, indem er Israel - wie die Mutter ihren Säugling - an die Wangen drückt, sich ihm zuneigt und ihm zu essen gibt. In den Weisheitsbüchern wird in der Gestalt der Weisheit ebenfalls die weibliche Seite Gottes gezeigt. Und nicht zuletzt finden sich auch bei Jesus viele Züge, die im Allgemeinen eher den Frauen zugeschrieben werden. Er heilt, tröstet, nimmt Kinder in seine Arme.

Heute am Muttertag besuchen wohl die meisten von uns ihre Mutter, bringen ihr vielleicht auch ein Geschenk mit.

Eine Mutter hat ihre Gedanken zu diesem Tag in einem Brief an ihren Sohn festgehalten:

 

Mein lieber Sohn!

Nun ist bald wieder der Tag gekommen, an dem Du mir dankbar sein musst. Du musst mir Pralinen schenken oder Blumen. Du sollst mir den Frühstückstisch decken und mich den ganzen Tag über mit Deinen Aufmerksamkeiten begleiten.

„Danke, liebe Mutter, dass es dich gibt. Danke für die kummervollen Nächte an meinem Krankenbett. Danke für deine grauen Haare und deine faltigen Hände. Danke für all die Opfer, die du meinetwegen vollbracht hast. …“

Wie schade wäre es um Deinetwillen und um meinetwillen, würdest Du in diesem Sinne der allgemeinen Verlogenheit an diesem Tag folgen. Denn eines kann ich Dir mit Gewissheit sagen: Opfern wollte ich mich für Dich nicht - und die faltigen Hände und grauen Haare werden eines Tages auch ohne Dich kommen.

Dennoch glaube ich, dass es über den Muttertag hinaus einen viel tieferen Grund zur Dankbarkeit gibt, und dieser Dank gebührt weder Dir noch mir. Es ist der Dank für das Geschenk unseres Zusammenseins. Ich nenne es auch den Dank für eine neue Existenz. Ohne Dich wäre mein Leben leichter - durch Dich ist es sinnvoller. Ein Kind, so heißt es, muss sich in seiner Mutter spiegeln können. Ich empfinde es auch umgekehrt: In Dir begegne ich mir wie in einem Spiegel mit allen meinen Schwächen und Stärken.

In dieser Hinsicht bist Du mir ein beharrlicher Lehrmeister, eine unablässige Herausforderung. Du bist unbequem. Meinen Stillstand duldest Du nicht. Du willst wachsen - und mit jedem neuen Zentimeter, den Du an innerer und äußerer Größe hinzugewinnst, erkennst Du nach der ersten Freude voller Trauer, dass Du immer noch viel zu klein bist angesichts der vielen Fragen und Aufgaben, die das Leben an Dich stellt.

An Dir, lieber Sohn, bin ich gewachsen. In der äußeren Enge spüre ich die innere Weite, im Verzicht den Reichtum, im hemmungslosen Zorn die grenzenlose Liebe. In dieses Spannungsfeld hinein bist Du geboren. Kleiner Wanderer zwischen so vielen Welten. Das einzige, was ich Dir voraus habe, ist ein kurzes Stück mehr Weg.

Wofür willst Du mir am Muttertag danken? Ich gebe Dir mein Gutes, und ich gebe Dir mein Schlechtes. Es ist so viel und doch so wenig. Und so, wie Du jeden Morgen voller Mut und Tatkraft den neuen Tag wie ein neues Leben empfängst, begrüße ich die neue Chance, es heute vielleicht ein bisschen besser zu machen als gestern.

 

 

Was würden Sie / was würdet Ihr heute an diesem Tag Ihrer / Eurer Tochter oder Sohn schreiben?

Was würde wohl in einem Brief von Gott an uns stehen?

Eines müssten wir dabei mit bedenken:

Gott ist weder Mann noch Frau. Er übersteigt all unsere Beschreibungen. Gott kommt uns in einer Vielfalt entgegen, die wir Menschen gar nicht fassen können, väterlich, mütterlich, ganzheitlich und vollkommen liebend.

Feiern wir deshalb den Muttertag heute auch als Tag all der Menschen, die Gottes Eigenschaften in unserer Welt spiegeln als ganzheitliche, mütterlich sorgende Menschen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen / Euch ein schönes Wochenende, einen frohen Sonntag und einen gesegneten Muttertag!

 

Ihre / Eure Alexandra Mühl

 

Gedanken aus:  Gottesdienst zum Muttertag 2019 - Kath. Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung im Erzbistum Paderborn

Brief - Text: Verfasserin unbekannt / In: Pfarrbriefservice.de